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Multisession bei Anno 1800

Butter bei die Fische! Wie angekündigt, versorgen wir die ANNO UNION nach und nach mit Einblicken in die Spielkonzepte von Anno 1800. Den Anfang macht Creative Director Dirk Riegert, der die Serie seit Anno 1701 betreut. Dirk erläutert für euch ausführlich einen sehr wichtigen Baustein des kommenden Annospiels, das sogenannte „Multisession Gameplay“.

Mit großem Interesse verfolgt unser gesamtes Team eure Anregungen in den Kommentarspalten der ANNO UNION. Da bin auch ich keine Ausnahme. Beim abendlichen Stöbern ist mir immer wieder ein Thema aufgefallen, mit dem einige von euch besonders viele Chancen und Risiken verbinden: das sogenannte „Multisession Gameplay“. Da wir gerne mit einem großen Thema die erste weiterführende Diskussion in der UNION starten wollten, lag es nahe hiermit zu beginnen.

Rückblick auf Anno 2205
Damit ihr euch ein möglichst vollständiges Bild von diesem Feature machen könnt, möchte ich etwas weiter ausholen. Das Multisession Gameplay ist für die Annoserie ein relativ neues Spielelement. Es kam erstmalig bei Anno 2205 zum Einsatz. Spieler hatten hier die Möglichkeit, mehrere Inselwelten (sog. Sessions) miteinander zu verknüpfen und Waren zwischen den einzelnen Welten zu transferieren. Unser Ziel war es, die Schaffung größerer persistenter Spielwelten und die Verknüpfung unterschiedlicher Karten (bei Anno 2205 z.B. Erde und Mond) zu ermöglichen. Grundsätzlich hat uns dieses Spielelement sehr gut gefallen, da es zahlreiche Optionen eröffnete, von denen wir einige bislang noch nicht genutzt haben. Auch die Spieler waren überwiegend sehr angetan vom Multisession Gameplay und wählten es neben den Produktionsmodulen und dem Gebäudeverschieben zu den beliebtesten 2205 Features.

Wie können wir noch weiter gehen?

Dennoch zeigte uns die Analyse von Anno 2205, dass es noch reichlich Möglichkeiten für uns gab beim Multisession Gameplay noch weiter zu gehen. Die Erweiterung des Spiels auf mehrere parallele Karten hatte gravierende Implikationen zur Folge. Wir identifizierten vier Hauptbereiche, in denen das Multisession Gameplay noch nicht voll den Erwartungen entsprach:

1. Spielerische Freiheit
2. Größe der Spielwelt
3. Fokus auf die Heimatwelt
4. Integrität der Spielwelt

Um die gute Nachricht vorweg zu nehmen: alle vier Bereiche haben wir für Anno 1800 entscheidend verbessert. Im Folgenden möchte ich euch diese Punkte detailiert erläutern.

Eine Frage der Freiheit

Die spielerische Flexibilität, innerhalb der gegebenen Systeme zu tun und zu lassen, was man will, ist seit Anno 1602 fundamentaler Bestandteil der Annophilosophie. Das Multisession Gameplay in Anno 2205 zeigte hier noch gewisse Schwächen. Der Spieler wurde verhältnismäßig schnell dazu angehalten, weitere Sessions zu bespielen, um voranzukommen. Zwar konnte man sich auch beliebig lange in seiner ersten Spielsession aufhalten, ohne zu wechseln, der Spielfortschritt blieb dann aber limitiert. Einige Spieler fühlten sich dadurch in ihrer Art Anno zu spielen eingeschränkt, da sie oft deutlich später, manchmal auch gar nicht die Session wechseln wollten.

Eine Session? Mehrere Sessions? Deine Entscheidung!
Das Multisession Gameplay fällt in Anno 1800 im Vergleich dazu deutlich flexibler aus. Es steht den Spielern ab einem gewissen Punkt frei, wann sie eine weitere Session in Angriff nehmen möchten. Wir wissen, dass es Spieler gibt, denen die Erkundung neuer Landstriche ein wichtiges Anliegen ist. Diese Spieler können sich relativ früh auf Entdeckungstour  begeben und nicht nur neue Inseln, sondern auch eine neue Session aufstöbern. Es gibt aber auch viele Spieler, die sich eher als „Nestbauer“ betätigen und nur vorsichtig die Fühler nach dem Unbekannten ausstrecken. Diese Spieler erkunden auch die Inselwelt nur sehr zögerlich. Eine zweite Session zu erschließen wäre für sie eine Aufgabe, die sie erst im späteren Spielverlauf angehen würden, wenn sie sich sicher genug fühlen. Diese Flexibilität bieten wir mit Anno 1800. Sogar noch mehr, denn es gibt auch Spieler, die sich grundsätzlich nur in einer Inselwelt aufhalten möchten. Selbst das ist in Anno 1800 möglich. Der Aufbruch in eine zweite Session ist rein optional. Wir rechnen zwar damit, dass sich die Meisten aufgrund des spielerischen Mehrwerts früher oder später auf diese Reise begeben werden, aber auch das permanente Verharren in der Startsession ist möglich, wenn man sich etwas stärker auf Handel fokussiert. Für den klassischen Multiplayer Modus von Anno 1800 beschränken wir uns aus praktischen Gründen im übrigen auch auf eine (große) Hauptsession für 2-4 Spieler.

Auf die Größe kommt es an
Um die Vision des Multisession Gameplays in Anno 1800 besser zu verstehen, müssen wir uns auch ein wenig mit nackten Zahlen beschäftigen. Denn was nutzt schon die Möglichkeit, ewig in einer Inselwelt verharren zu können, wenn sie nicht das gewünschte Spielerlebnis bietet?

In Anno 2205 waren die einzelnen Inseln zwar deutlich größer, als die der vorangehenden Anno Teile, aber die Spielwelten selbst waren im Gegenzug spürbar kleiner. Was das Ganze konkret bedeutete, könnt ihr der folgenden Grafik entnehmen. Sie gibt die Größe der Spielwelten in den Anno Teilen 2070 (auch vergleichbar mit Anno 1404), Anno 2205 und Anno 1800 maßstabsgetreu wieder.

Wie ihr erkennen könnt, sind die Spielwelten in Anno 2205 mit 800×800 Grids (damit sind als Maßeinheit die Baufelder im Spiel gemeint) am kleinsten ausgefallen. Die Spielwelten von Anno 2070 (und damit Anno 1404) waren im Vergleich mit 1200 Grids im Quadrat deutlich größer. Die Spielwelten von Anno 1800 fallen mit maximal 1600×1600 noch gewaltiger aus. Wer jetzt hofft (oder auch fürchtet), dass damit auch die Spielwelt im Vergleich zu den alten Annoteilen proportional angewachsen ist, der sollte sich die folgende Grafik genauer ansehen. Sie zeigt in etwa die Verteilung der bebaubaren Spielerinseln in der Spielwelt. Wo bei Anno 2070 ca. 25 Spielerinseln Platz fanden, gab es bei Anno 2205 im Durchschnitt fünf Inseln (ein Umstand, den wir später mit den Free Patches und DLCs noch ausbesserten).

Bei Anno 1800 ist die Inselanzahl vergleichbar mit 2070 und 1404, so dass sie bis zu vier Spielern (Menschen oder AI) Platz bietet, um auf die höchste Zivilisationsstufe aufzusteigen. Da insbesondere die Hauptinseln aber größer sind als bei den alten Annoteilen, um imposanteren Bergen, mehr Gebäuden und größeren Monumenten Platz zu bieten, fällt die maximale Weltgröße im Vergleich höher aus. Es ist also genug Platz innerhalb einer Inselwelt, um das für ein vollständiges Anno Spielerlebnis nötige Inventar anzuordnen. Weshalb, könnte man sich fragen,  dann noch die Möglichkeit mehrere Sessions zu parallel zu bespielen?

Der sichere Hafen
Wie schon der Mond bei Anno 2205 das Multisession Gameplay befeuert hat, profitiert auch das neue Setting im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution und des Imperialismus von der Möglichkeit zusätzliche Welten zu erschließen. Die erste Session stellen wir uns dabei quasi als Heimatwelt des Spielers vor. Hier hat er mit großer Wahrscheinlichkeit seine Hauptstadt angelegt und lernt seine wichtigsten Freunde und Gegenspieler kennen. Nachdem dort Fuß gefasst hat, steht es ihm aber frei, seinen Einflußbereich zu erweitern und neue Gebiete zu erschließen. Mit dem Multisession Gameplay sind wir bei Inszenierung und Erweiterung der Spielwelt aber nicht ausschließlich auf die Startkarte festgelegt. Welches Imperium passt schon in eine einzelne Inselwelt? Wir wollen auf der anderen Seite aber auch nicht, dass der Spieler zu viele Sessions parallel verwaltet und dadurch wie bei Anno 2205 verhältnismäßig häufig die Session wechselt. Wir werden daher bei der Einführung optionaler Sessions sehr behutsam vorgehen. Aktuell ist geplant zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Anno 1800 mindestens eine zweite große Inselwelt der eigenen Heimatwelt hinzufügen zu können.  Hier zählt der Grundsatz „Weniger ist mehr!“. Dies gilt insbesondere, da die einzelnen Welten, wie bereits erläutert, deutlich umfangreicher und spieltechnisch gehaltvoller ausfallen als beim Vorgänger.


Unsere Zurückhaltung bei der initialen Anzahl parallel simulierter Sessions ist zwar vorrangig spielerisch motiviert, hat aber den positiven Nebeneffekt, dass die Ladezeiten bei wiederholten Sessionwechseln im Vergleich zu Anno 2205 spürbar minimiert werden, da die Sessions, nachdem sie initial geladen wurden, parallel simuliert werden.

Die Integrität der Spielwelt
Der letzte Hauptpunkt, bei dem wir Verbesserungspotential sehen, betrifft die Integrität des Multisession Gameplay. Sie war in Anno 2205 teilweise eingeschränkt. Das Wechselspiel der typischen Annoelemente wurde im Multisession Gameplay teilweise nicht konsequent genug umgesetzt; ein Umstand, den wir mit Anno 1800 beheben. So war etwa die Immersion des Warentransfers eher schwach, da Waren nicht wirklich von A nach B transferiert wurden, sondern abstrakt als Bilanzen gehandhabt wurden. In Anno 1800 sind die Waren passend zum Setting wieder physikalisch in der Spielwelt vorhanden und müssen transportiert werden. Auf den Inseln mit Karren und Wagen auf den Straßen, zwischen Inseln mit Schiffen. Der Schifffahrt im Wandel der Industrialisierung kommt dabei eine besonders große Rolle zu. Zeit ist beim Transport wieder eine wichtiger Faktor. Und das nicht nur beim Verschieben von Waren von Insel zu Insel innerhalb einer Inselwelt, sondern auch beim Transfer von Handelsgütern zwischen verschiedenen Inselwelten. Auch die Auslagerung des Militärs in spezielle „Event Sessions“ gehört der Vergangenheit an. In Anno 1800 ist das Militär wieder Teil des normalen Spiels in den normalen Inselwelten. Wie genau das Militär in Anno 1800 funktioniert und wie es sich zum Multisession Gameplay verhält, werden wir euch zu einem späteren Zeitpunkt erläutern, an dem wir im Detail über das Militär berichten können.

Was denkt ihr?
So, ich habe mir die Finger in den letzten zweieinhalb Stunden ganz schön wundgetippt in der Hoffnung, eure Fragen an das Multisession Gameplay von Anno 1800 so erschöpfend und verbindlich wie möglich zu beantworten. Jetzt seid erstmal ihr an der Reihe. Gebt uns Feedback! Seht ihr bereits ein wenig klarer, wohin die Reise mit Anno 1800 gehen wird? Was findet ihr am Multisession Konzept besonders spannend und was seht ihr vielleicht kritisch? Würdet ihr euch als Spieler lieber freiwillig auf eine Inselkarte begrenzen oder versuchen, die gesamte Spielwelt zu erkunden? Was würdet ihr gerne im weiteren Verlauf des Spiels auf anderen Karten erleben können? Teilt in den Kommentaren eure Eindrücke und Gedanken mit uns!

Macht’s gut und bis zum nächsten Mal
Euer Karrenschieber Dirk

385 Kommentare

  1. viatorcaeli

    Hi Anno-Team,

    wenn ich richtig verstanden habe,dann ist die geplante Multisession also der „Anno 1404 Orient“ nur auf einer Extra-Karte?! Wenn ja,dann habt ihr den richtigen Gedanken gehabt!
    Dabei fände ich eine gewisse zeitliche Verzögerung (NICHT wegen des Ladens der einzelnen Karten) gar nicht schlimm. Damals mussten Ereignisse auch per Post übermittelt werden und wenn man es gaaaanz eilig hatte,dann brauchte man immernoch einige Woche bis zurück in die Heimat.
    Wenn schon alle auf Details pochen, dann richtig 😉
    Im Gegenzug wären natürlich ein paar wenige Basiseibstellungen in der Heimatwelt sinnvoll: Was soll während meiner Abwesenheit passieren? Somit läuft die zeitliche Verzögerung nicht auf eine Katastrophe hinaus.

    P.S. Die Anmerkung mit der Verbindung zweier/mehrer Inseln mit Brücken finde ich gut. Daher dafür meine Stimme!

    Schöne Grüße

  2. LiaraAlis

    Hallo liebes Anno-Team,

    leider komme ich bei Euren vielen Blog-Einträgen gar nicht nach, aber ich werde alles aufarbeiten. Macht bitte weiter so!

    Inseln sind ja in Anno schon seit dem ersten Teil ein wesentlicher Bestandteil.
    Habt ihr Euch auch mal überlegt, auf einer Map statt ausschließlich Inseln auch mal Festland einzubauen? Also im Prinzip eine Art „Insel“, die den Großteil der Karte einnimmt?
    Hintergrund ist für mich, dass ich es schade finde, dass bisher jede Insel als eigene Stadt angesehen wurde und es ist nicht möglich war, eine große Metropole über mehrere Inseln zu verteilen.

    Anno 2205 bat meiner Meinung nach etwas, was das Gefühl einer zusammengehörenden Stadt hervorhob: Man konnte mehrere Inseln mit Brücken verbinden. So entstand ein großes Ganzes, ohne dass man sich gut ausbreiten konnte und nicht alles per Schiff erledigt werden musste.
    Ich würde mir für Anno 1800 mehr solcher Elemente wünschen.

    • LiaraAlis

      Haha, ich meinte natürlich: “ So entstand ein großes Ganzes, sodass man sich gut ausbreiten konnte und nicht alles per Schiff erledigt werden musste.“ 😀

  3. CharlieMcAvish

    Hallo Anno Team!

    Ich finde es super, dass ihr das Feedback über die Sessions aus 2205 ernst nehmt und das Konzept verbessert!

    Was mich allerdings an den Sessions am meisten gestört hat, war dass man überhaupt die Ursprüngliche Session verlassen musste, wodurch man gefühlt die Spielwelt verlässt (was auf dem Bildschirm ja auch geschieht). Heute spricht man da doch neudeutsch vom Verlust der „Immersion“…

    Was für mich die Sessions aufwerten würde, wäre den übergang zwischen den Sessions so „unauffällig“ wie möglich zu machen. (Etwa durch einen einzelnen Klick auf einen Button neben der Minimap oder auf ein Missionssymbol).

    Dabei ist natürlich auch eine ultrakurze Ladezeit wichtig – aber da ihr wie oben beschrieben einmal geladene Sessions sowieso normal weiter simuliert, sollte die technik es hier ja erlauben, dass ein Wechsel in eine andere Session sich kaum von einem Klick auf der Minimap, oder dem Folgen einer Meldung „Feuer in ihrer Stadt“ unterscheidet.

    Super super super großes Plus finde ich euren Schritt die Kriegsführung wieder zurück in die „echte Welt“ zu holen. Ich fand an Anno schon immer toll, dass die Lösung von Konflikten mit Gewalt (und Krieg) immer auch starke auswirkungen auf die Wirtschaft und Zivilbevölkerung hatte. Dadurch stellte Anno für mich eine Vereinigung aus Wirtschafts/Aufbausimulation und Real-Time-Strategy Game dar – die nach wie vor in diesem Format ihresgleichen sucht.

    Seekrieg war in Anno immer besonders wichtig und hat sich auch nie groß geändert, abgesehen vom leichten Schere-Stein-Papier-Prinzip in Anno 2070. – Aber bisher gab es hier auch nie großen Änderungsbedarf – mir hat es bisher immer riesen Spaß gemacht meine Flotten zu befehligen.

    Besonders interessieren mich aber eure Gedanken zum Krieg an Land – grade weil sich hier in der Vergangenheit immer starke Veränderungen ergeben haben – Von individuell trainierbaren Einheiten (auf Hirsch-Jagd gehen in 1503 war klasse) über wenig mobile Heerlager bis hin zum Transfer des Landkrieges in die Luft. – Alles mit seinen Vor- und Nachteilen. – Welches mir am besten gefallen hat weiß ich da selbst nicht.

    Viele Grüße und keep up the good work

    Charlie McAvish

  4. Minister-Coehn

    Hallo liebes Anno Team!

    Ich persönlich würde liebend gerne andere Sessions erkunden! Aber ich gebe zu, ihr habt Recht, dass zu viele Sessions einem den Überblick nehmen..

    Mindestens eine weitere Heimatsession hört sich super an, ich wäre aber auf jedenfall für noch eine dritte! Das reicht dann aber auch schon fast, je nachdem, was es sont für wie viele Nichtheimatsessions gibt ^^

    Auf jedenfall super vielen Dank für diesen Artikel! Freue mich mega auf die Karten.
    Ich finde die Imperialismusnote hört sich spannend an, kritisch fände ich den Gedanken, wenn nur wenig Vielfalt von der Welt unter Nichtheimatsessions abgedeckt werden würde, also wünsche ich mir ruhig zwei, drei, vier ander Regionen, welche man erkunden kann!

    Machts gut!

    LG, Minister-Coehn

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