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Schlagwort: History

DevBlog: Liebes Strategiebuch

Ein Relikt aus vergangener Zeit oder unabdingliches Accessoire? Für unseren Creative Director Dirk Riegert gibt es auf diese Frage nur eine Antwort. Lest hier sein flammendes Plädoyer für eine streng genommen überflüssige Schwarte.

Liebes Strategiebuch,

du musst jetzt ganz stark sein. Denn eigentlich braucht dich kein Mensch. Diejenigen, die dich kaufen, kennen das Spiel, das du beschreibst, in- und auswendig. Sie benötigen keine Hilfestellung in Buchform. Und doch tätscheln gerade diese Spieler liebevoll deinen Einband und schleppen dich von der Couch zum Bad ins Bett, um immer wieder in dir zu schmökern und zu blättern. So gesehen bist du der Ritterschlag für jedes Computerspiel. Du beweist, dass viele Spieler ihr Spiel so sehr lieben, dass sie sich abseits des Computers ausgiebig mit dir beschäftigen.

Das galt übrigens auch für mich. Ich kann mich noch gut daran erinnern, nach dem Durchspielen der umfangreichsten Rollenspiele mit dem dazugehörigen Wälzer in der Hand die kniffeligsten Stellen noch einmal zu rekapitulieren. Du, liebes Lösungsbuch, warst für mich stets eine faszinierende Mischung aus Tagebuch, Fotoalbum und Gebrauchsanweisung. Auch wenn im digitalen Zeitalter gerade letzteres stark an Bedeutung verloren hat, bleibst du dennoch eine Pflichtanschaffung für den schwärmerischen Spielertypus, der es liebt, seine Nase zwischen zwei Buchdeckel zu stecken.

Einmal hast du mir sogar richtig aus der Patsche geholfen, liebes Lösungsbuch, erinnerst du dich? Das war im Jahre 2004, als wir gerade mit der Entwicklung von Anno 1701 begannen. Ich stellte damals mit Schrecken fest, dass wir zu den beiden Vorgängern bei Projektstart über keinerlei Designunterlagen verfügten. Es war das erste Anno, das von unserem Studio entwickelt wurde. Ich kann mich noch an den Tag erinnern, an dem mir jemand einfach zwei Spieleschachteln von Anno 1602 und 1503 auf den Schreibtisch stellte und verkündete: „Dazu brauchen wir einen dritten Teil!“ Das war alles und gleichermaßen nichts. Verzweifelt durchforstete ich die spärlichen, irgendwo herumgeisternden Dokumente, doch viel brachte das nicht zutage. Ich war am Boden zerstört, als ich dich fand, liebes Lösungsbuch. Du warst damals meine Rettung. Fleißige Menschen hatten allerlei nützliche Informationen, Spielabläufe und Tabellen zu Anno 1503 an einem Ort versammelt und verständlich aufbereitet.

Ich war dir so dankbar, dass es mich ungemein beruhigte, dich auch in den kommenden Jahren an meiner Seite zu wissen. So wie die Anno Serie immer weiter wuchs, wurdest auch du immer umfangreicher. Warst du bei Anno 1701 noch ein mittelschweres Büchlein mit 162 Seiten, erstrahltest du bei Anno 1404 schon im Hardcover mit stattlichen 295 Seiten. Bei Anno 2070 schwoll dein Umfang auf unglaubliche 367 Seiten an und ich konnte dich kaum mit einer Hand mehr hochheben. Und mit Anno 2205 dachten wir, dass wir im digitalen Zeitalter auf deine Hilfe nicht mehr angewiesen sind. Ich zumindest habe dich vermisst.

Und jetzt, bei Anno 1800, frage ich mich, ob sich unsere Wege erneut kreuzen werden. Wenn die Menschen der Anno Union dich genauso gerne haben wie ich, wird vielleicht was draus. Persönlich würde ich mich sehr darüber freuen, liebes Strategiebuch. Vielleicht knackst du ja dann sogar die 400 Seiten Grenze, wer weiß?

Bis hoffentlich bald,
Dein Dirk

Wir hoffen, dass euch dieser sehr persönliche Brief an das Strategiebuch gefallen hat. Aber wie ist es eigentlich für Euch? Ist das Strategiebuch ein nettes Sammlerstück, ein treuer Gefährte oder ist es vielleicht sogar so, dass es keinen Platz in unserer modernen Zeit mehr hat?

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DevBlog: Wahrheit oder Fiktion?

Wie schon angekündigt wollen wir Euch im Rahmen unserer DevBlogs die Chance geben von verschiedenen Mitgliedern des Anno Teams über ihre Arbeit und was dahintersteckt zu hören. Für den heutigen Eintrag haben wir unseren Game Writer Matt Cook rekrutiert um zu erklären warum Geschichte, nicht aber historische Richtigkeit, für ein Anno-Spiel so wichtig ist:

Hi, ich bin Matt- Game Writer, ehemals-Brite-nun-Europäer, sowie ein Anno-Neuling. Willkommen in meiner Welt. Eine Welt fast wie unsere echte, aber nicht ganz…

Genau das ist der Punkt mit den Anno-Spielen: Sie blicken durch die rosarote Brille der Geschichte und sehen nur eine glückliche Familie beim sonntäglichen Festmahl. Das soll natürlich keinesfalls heißen das Ihr in unserem Spiel nicht auch die Missstände des 19. Jahrhunderts sehen werdet, aber der bleibende Eindruck dürfte doch einmal mehr einer von fröhlichem Optimismus sein.

Eine Geschichte in groben Zügen

Die Welt von Anno ist eine augenzwinkernde Feier des Merkantilismus, bei der Zeit, Ort und Identität verschwimmen. Trotzdem wollen wir das unser Spiel das 19. Jahrhundert als eine Zeit der Industrialisierung, der Entdeckungen und der Revolutionen widerspiegelt.

Dabei stellen uns viele von Euch die Frage ob es auch berühmte historische Persönlichkeiten ins Spiel schaffen werden. Die kurze Antwort ist „Nein“. Die längere Antwort ist, dass es bei Anno nie unser Ziel war historisch akkurat zu sein. Allerdings bestätigen die vielen Vorschläge und Anfragen für bestimmte historische Figuren unser Gefühl, dass wir eine sehr ikonische und evokative Ära für Anno 1800 gewählt haben.

Das ist natürlich auch eine Frage der persönlichen Vorlieben, aber ich selbst empfinde historische Abweichungen und Anachronismen in Spielen oft als holprig (Ausnahme sind natürlich Fälle in denen diese Anachronismen ein bewusstes Stilelement  sind) – und genau dieses Problem hat Anno durch eine Mischung aus Parallelen und Parodien stets versucht zu vermeiden.

Beispielsweise werdet ihr Napoleon Bonaparte oder Königin Viktoria mit Sicherheit nicht im Spiel antreffen, aber ihre Persönlichkeiten oder sogar optische Parallelen sind in der Welt von Anno 1800 durchaus vorstellbar.

Als ich als Teil meiner (sehr deutschen) Einführung in den Anno-Kult hier im Studio Anno 1404 gespielt habe fiel mir sofort auf wie nahe die Figuren am Spiel an Satire oder sogar Karikaturen sind. Ich bin fest davon überzeugt, dass Anno-Charaktere am besten und einprägsamsten sind, wenn sie diese Direktheit haben, auch wenn es manchmal bedeutet dass der Humor den historischen Realismus bei der Kehle packt.



Die Charakteristiken von Charakteren

Nehmen wir als Beispiel die Charaktere in unserer aktuellen Abstimmung; eine wilde Mischung aus Archetypen dieser Epoche. Einerseits wirken sie überlebensgroß, aber doch irgendwie in dieser Zeit denkbar. Während ich sie alle mag ist meine persönliche Favoritin die Okkultistin. Sie fängt sprichwörtlich den Geist (!) dieser Zeit, in der Rationalismus und wilde Romantik aufeinander trafen ein. Man denke an die Werke von Verne, Shelley oder Dickens- und man fragt sich ob ein Anno auch diese Themen berühren könnte ohne seine tiefen Wurzeln in der produktiven Bodenständigkeit zu verlieren.

Ich fände es sehr interessant in den Kommentaren eure Meinungen zu dieser Frage zu hören, denn die Menschen des 19. Jahrhunderts waren oft fasziniert vom für sie Unerklärlichen. Dabei ist natürlich „unerklärlich“ das Schlüsselwort. Das Hauptziel bei einem Anno-Spiel ist es immer eine glaubhafte Welt basierend auf (wenn auch wie Kirschen herausgepickten) historischen Fakten, und wir würden hier auf keinen Fall in den reinen Fantasy-Bereich abdriften. Aber man denke an damals aufkommende Formen der Unterhaltung wie Bühnenmagie, die ersten angeblichen Fotografien von Fabelwesen wie Feen oder von ihren Reisen zurückkehrende Seeleute mit dem entsprechenden Seemannsgarn über das gesehene und erlebte. Wie konservativ oder mutig darf (oder muss?) ein Anno mit diesen Themen umgehen?

Unsere eigene Geschichte

Neben der wirklichen Welt hat natürlich auch die Anno-Serie selbst inzwischen ihre ganz eigene Geschichte. Beispielsweise wiederkehrende Charaktere wie die immer wieder aufs neue beruhigend-freundlichen Jorgensens. Oder die vielen Formen die unsere Schiffe oder Fische durch die Epochen hinweg angenommen haben.

Vielleicht denkst du heute noch mit einem Schmunzeln an Goldfurt als deine Lieblingsstadt zurück. Vielleicht wäre ein Lord Richard Northburgh genau die Art von Mentor der du in einer dunklen mittelalterlichen Welt begegnen willst. Anno muss sich auf jeden Fall selbst treu bleiben, und wer weiß welche Teile dieser Geschichte und Tradition ihr auch in unserem 19. Jahrhundert wieder antreffen werdet.

Anno: Eine Studie

Aber bedeutet diese gewollte „historische Verschwommenheit“ dass wir unachtsam sind, wenn es um Details oder Recherche geht? Selbstverständlich nicht! Wie dir jeder gute Schriftsteller gerne bestätigen wird ist es unmöglich eine Welt zu erschaffen ohne seine Inspirationsquellen zu recherchieren; erst dann entsteht in Verbindung mit der Vorstellungskraft eine greifbare und plausible Welt. So sind die Arbeiterbewegung, die industrielle Revolution und viele der anderen weitgreifenden Veränderungen die die Welt in diesem bemerkenswerten Jahrhundert erfahren hat ein fester Bestandteil unseres Spieles.

Wie bereits erwähnt haben die Anno-Spiele keine existierenden historischen Figuren, aber eine abwechslungsreiche Riege von Charakteren die das Bild der jeweiligen Zeit einfangen. Wusstest Du beispielsweise, dass während dieser Zeit die vermutlich erfolgreichste Piratin aller Zeiten aktiv war? Und wusstest Du, dass sie aus China kam und ihre Flotte so mächtig war, dass weder die Briten noch die Chinesen oder Portugiesen sie zur Strecke bringen konnten?

Bei unseren Recherchen profitiert das Team hier in Mainz auch von der Zusammenarbeit mit unseren Kollegen in anderen Ubisoft-Studios, die uns dabei helfen dem Spiel eine historische Aura zu verleihen. Neben unserer detailverliebten Optik sollten vor allem unsere Atmosphäre und Geschichte dazu beitragen, dass Kenner der Epoche bei vielen kleinen Anspielungen schmunzeln mit dem Kopf nicken werden, während ihre pittoresken Dörfer zu lebendigen Metropolen werden.

Was denkt Ihr?

Als Game Writer bin ich natürlich auch immer an der Vorstellungskraft und der Fantasie anderer Menschen interessiert, deshalb meine Frage an euch: Welcher Gedanke schoss Euch als erstes durch den Kopf als ihr die Ankündigung von Anno 1800 gesehen habt? Welches Ereignis, Thema oder welche Persönlichkeit war Eure erste Assoziation mit dem 19. Jahrhundert? Ich bin gespannt auf eure Kommentare, und freue mich auf das nächste Mal!

Matt

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Eine Reise durch die Anno Geschichte

In erster Linie ist die Anno Union Webseite natürlich über unsere gemeinsame Reise mit Anno 1800, aber manchmal macht es einfach Spaß sich zurückzulehnen und in Erinnerungen an die gute alte Zeit zu schwelgen. Deshalb wollen wir euch alle pünktlich zum Start ins Wochenendes mit auf einen kleinen Nostalgietrip durch die Geschichte der Anno-Serie nehmen.

Angefangen hat alles 1998 mit dem Grundstein der Serie, Anno 1602.Dieser Klassiker hat alle grundsätzlichen Spielelemente die wir heute noch berücksichtigen etabliert, von den simplen Anfängen mit nur einem Schiff voller Waren und einer leeren Insel, über die ersten Fischer- und Holzfällerhütten und schließlich (nach vielen Stunden und dem einen oder anderen Bankrott und Neustart) zu einer florierenden Stadt.

Danach mussten Fans vier lange Jahre lang warten bevor im Herbst 2002 mit Anno 1503 der zweite Serienteil folgte. Wie man es von einem klassischen Nachfolger erwartet bot 1503 mehr vom liebgewonnen Anno-Gameplay, frei nach dem Motto „größer, schöner, besser“. Spieler konnten jetzt in verschiedenen Klimazonen siedeln, noch mehr unterschiedliche Kulturen und Völker treffen und in militärischen Konflikten auf eine größere Anzahl unterschiedlicher Truppentypen zurückgreifen. Aber natürlich können wir nicht über Anno 1503 sprechen ohne de große Multiplayer-Kontroverse – erst versprochen, dann verschoben, und schließlich am Ende eingestellt – zu erwähnen. Tatsächlich sind die damaligen Ereignisse einer der Gründe warum wir bereits jetzt angekündigt haben, dass Anno 1800 von Tag 1 an einen Multiplayermodus bieten wird.

Der nächste Serienteil, Anno 1701, ist für unser Team hier bei Ubisoft Blue Byte Mainz ein ganz besonderer, denn es war das erste Anno das in unserem Hause (damals noch unter dem Namen Related Designs) entwickelt wurde. Und tatsächlich zeigt ein Blick in die Credits von Anno 1701 dass viele der damaligen Teammitglieder Anno bis heute treu geblieben sind, und in der Entwicklung von Anno 1800 führende Rollen einnehmen (unter anderem unser Executive Producer, Creative Director, Art Director sowie unsere beiden Technical Director!

Aber was war neu in Anno 1701, außer dem Entwicklerteam? Der größte Schritt war natürlich der in die dritte Dimension, dank dem eure Inseln in nie dagewesenem Glanz erstrahlten. Dabei war der Schritt zum Veröffentlichungszeitpunkt 2006 längst überfällig, insbesondere da sich die Anno-Serie schon immer durch eine für Aufbauspiele herausragende Grafik ausgezeichnet hat. Natürlich hoffen wir diese Tradition auch mit Anno 1800 weiterführen zu können.

Danach gelang es dem neuen Team hier in Mainz ihrem Seriendebut mit dem Release von Anno 1404 im Jahre 2009 einen der meistgeliebten Teile folgen zu lassen. Konsequent auf seine drei Vorgänger aufbauend kombinierte 1404 gewohnt tiefgründiges Gameplay, eine detaillierte Grafik und eine ausführliche Kampagne um zum Höhepunkt (und bis heute letzten) der historisch-inspirierten Anno-Spiele zu werden. Auch ein Diplomatiesystem feierte seinen Einzug in die Anno-Welt, das ihr in ähnlicher Form auch im 19. Jahrhunderts von Anno 1800 wieder antreffen werdet.

Dann folgte ein großer mutiger Schritt mit der Ankündigung von Anno 2070. Zum ersten Mal würden Spieler in die Zukunft reisen, während wir heißgeliebte Klassiker wie die Fischerhütte gegen die Möglichkeit futuristische Metropolen an Land und sogar auf dem Meeresgrund zu errichten eintauschten. Ein anderes neues Element war die Wahl mit welcher der Fraktionen im Spiel – Ecos, Tycoons oder Techs – ihr euch verbünden möchtet, und die zentrale Rolle die Themen wie Umweltschutz und –Verschmutzung einnahmen.

Nun war die große Frage „wo würde es als nächstes hingehen nach dem Bau einer Großstadt unter Wasser“? Natürlich in den Weltraum! Frei nach dem Motto „die Welt ist nicht genug“ erlaubten wir es Spielern erstmals die gewohnte Umarmung von Mutter Erde zu verlassen um den Mond zu besiedeln. Dabei war eine der großen spielerischen Neuerungen in 2205 der sogenannte Session-Modus, der es dem Spieler erlaubte anstelle von nur einer Karte an vielen Orten rund um die Erde und den Mond parallel zu spielen und jederzeit zwischen diesen verschiedenen Sektoren hin- und herzuwechseln. Und ohne zu sehr ins Detail zu gehen können wir schon jetzt verraten, dass der Session-Modus auch in Anno 1800 wieder ein großes Thema sein wird. Wo ihr alles werdet siedeln können? Nun, das ist ein Thema für ein anderes Mal…

Was uns auch schon zum Ende unserer kleinen Exkursion durch die Anno-Historie bringt. Wir wünschen euch allen ein großartiges Wochenende, und bitte lasst uns in den Kommentaren wissen was für „Throwbacks“ zu früheren Anno-Teilen ihr euch für die Webseite wünscht. Blogs, alte Fotos, oder doch lieber Let’s Play Streams in denen wir die alten Spiele zocken? Sagt es uns!

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