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Kategorie: DevBlog

DevBlog: Wahrheit oder Fiktion?

Wie schon angekündigt wollen wir Euch im Rahmen unserer DevBlogs die Chance geben von verschiedenen Mitgliedern des Anno Teams über ihre Arbeit und was dahintersteckt zu hören. Für den heutigen Eintrag haben wir unseren Game Writer Matt Cook rekrutiert um zu erklären warum Geschichte, nicht aber historische Richtigkeit, für ein Anno-Spiel so wichtig ist:

Hi, ich bin Matt- Game Writer, ehemals-Brite-nun-Europäer, sowie ein Anno-Neuling. Willkommen in meiner Welt. Eine Welt fast wie unsere echte, aber nicht ganz…

Genau das ist der Punkt mit den Anno-Spielen: Sie blicken durch die rosarote Brille der Geschichte und sehen nur eine glückliche Familie beim sonntäglichen Festmahl. Das soll natürlich keinesfalls heißen das Ihr in unserem Spiel nicht auch die Missstände des 19. Jahrhunderts sehen werdet, aber der bleibende Eindruck dürfte doch einmal mehr einer von fröhlichem Optimismus sein.

Eine Geschichte in groben Zügen

Die Welt von Anno ist eine augenzwinkernde Feier des Merkantilismus, bei der Zeit, Ort und Identität verschwimmen. Trotzdem wollen wir das unser Spiel das 19. Jahrhundert als eine Zeit der Industrialisierung, der Entdeckungen und der Revolutionen widerspiegelt.

Dabei stellen uns viele von Euch die Frage ob es auch berühmte historische Persönlichkeiten ins Spiel schaffen werden. Die kurze Antwort ist „Nein“. Die längere Antwort ist, dass es bei Anno nie unser Ziel war historisch akkurat zu sein. Allerdings bestätigen die vielen Vorschläge und Anfragen für bestimmte historische Figuren unser Gefühl, dass wir eine sehr ikonische und evokative Ära für Anno 1800 gewählt haben.

Das ist natürlich auch eine Frage der persönlichen Vorlieben, aber ich selbst empfinde historische Abweichungen und Anachronismen in Spielen oft als holprig (Ausnahme sind natürlich Fälle in denen diese Anachronismen ein bewusstes Stilelement  sind) – und genau dieses Problem hat Anno durch eine Mischung aus Parallelen und Parodien stets versucht zu vermeiden.

Beispielsweise werdet ihr Napoleon Bonaparte oder Königin Viktoria mit Sicherheit nicht im Spiel antreffen, aber ihre Persönlichkeiten oder sogar optische Parallelen sind in der Welt von Anno 1800 durchaus vorstellbar.

Als ich als Teil meiner (sehr deutschen) Einführung in den Anno-Kult hier im Studio Anno 1404 gespielt habe fiel mir sofort auf wie nahe die Figuren am Spiel an Satire oder sogar Karikaturen sind. Ich bin fest davon überzeugt, dass Anno-Charaktere am besten und einprägsamsten sind, wenn sie diese Direktheit haben, auch wenn es manchmal bedeutet dass der Humor den historischen Realismus bei der Kehle packt.



Die Charakteristiken von Charakteren

Nehmen wir als Beispiel die Charaktere in unserer aktuellen Abstimmung; eine wilde Mischung aus Archetypen dieser Epoche. Einerseits wirken sie überlebensgroß, aber doch irgendwie in dieser Zeit denkbar. Während ich sie alle mag ist meine persönliche Favoritin die Okkultistin. Sie fängt sprichwörtlich den Geist (!) dieser Zeit, in der Rationalismus und wilde Romantik aufeinander trafen ein. Man denke an die Werke von Verne, Shelley oder Dickens- und man fragt sich ob ein Anno auch diese Themen berühren könnte ohne seine tiefen Wurzeln in der produktiven Bodenständigkeit zu verlieren.

Ich fände es sehr interessant in den Kommentaren eure Meinungen zu dieser Frage zu hören, denn die Menschen des 19. Jahrhunderts waren oft fasziniert vom für sie Unerklärlichen. Dabei ist natürlich „unerklärlich“ das Schlüsselwort. Das Hauptziel bei einem Anno-Spiel ist es immer eine glaubhafte Welt basierend auf (wenn auch wie Kirschen herausgepickten) historischen Fakten, und wir würden hier auf keinen Fall in den reinen Fantasy-Bereich abdriften. Aber man denke an damals aufkommende Formen der Unterhaltung wie Bühnenmagie, die ersten angeblichen Fotografien von Fabelwesen wie Feen oder von ihren Reisen zurückkehrende Seeleute mit dem entsprechenden Seemannsgarn über das gesehene und erlebte. Wie konservativ oder mutig darf (oder muss?) ein Anno mit diesen Themen umgehen?

Unsere eigene Geschichte

Neben der wirklichen Welt hat natürlich auch die Anno-Serie selbst inzwischen ihre ganz eigene Geschichte. Beispielsweise wiederkehrende Charaktere wie die immer wieder aufs neue beruhigend-freundlichen Jorgensens. Oder die vielen Formen die unsere Schiffe oder Fische durch die Epochen hinweg angenommen haben.

Vielleicht denkst du heute noch mit einem Schmunzeln an Goldfurt als deine Lieblingsstadt zurück. Vielleicht wäre ein Lord Richard Northburgh genau die Art von Mentor der du in einer dunklen mittelalterlichen Welt begegnen willst. Anno muss sich auf jeden Fall selbst treu bleiben, und wer weiß welche Teile dieser Geschichte und Tradition ihr auch in unserem 19. Jahrhundert wieder antreffen werdet.

Anno: Eine Studie

Aber bedeutet diese gewollte „historische Verschwommenheit“ dass wir unachtsam sind, wenn es um Details oder Recherche geht? Selbstverständlich nicht! Wie dir jeder gute Schriftsteller gerne bestätigen wird ist es unmöglich eine Welt zu erschaffen ohne seine Inspirationsquellen zu recherchieren; erst dann entsteht in Verbindung mit der Vorstellungskraft eine greifbare und plausible Welt. So sind die Arbeiterbewegung, die industrielle Revolution und viele der anderen weitgreifenden Veränderungen die die Welt in diesem bemerkenswerten Jahrhundert erfahren hat ein fester Bestandteil unseres Spieles.

Wie bereits erwähnt haben die Anno-Spiele keine existierenden historischen Figuren, aber eine abwechslungsreiche Riege von Charakteren die das Bild der jeweiligen Zeit einfangen. Wusstest Du beispielsweise, dass während dieser Zeit die vermutlich erfolgreichste Piratin aller Zeiten aktiv war? Und wusstest Du, dass sie aus China kam und ihre Flotte so mächtig war, dass weder die Briten noch die Chinesen oder Portugiesen sie zur Strecke bringen konnten?

Bei unseren Recherchen profitiert das Team hier in Mainz auch von der Zusammenarbeit mit unseren Kollegen in anderen Ubisoft-Studios, die uns dabei helfen dem Spiel eine historische Aura zu verleihen. Neben unserer detailverliebten Optik sollten vor allem unsere Atmosphäre und Geschichte dazu beitragen, dass Kenner der Epoche bei vielen kleinen Anspielungen schmunzeln mit dem Kopf nicken werden, während ihre pittoresken Dörfer zu lebendigen Metropolen werden.

Was denkt Ihr?

Als Game Writer bin ich natürlich auch immer an der Vorstellungskraft und der Fantasie anderer Menschen interessiert, deshalb meine Frage an euch: Welcher Gedanke schoss Euch als erstes durch den Kopf als ihr die Ankündigung von Anno 1800 gesehen habt? Welches Ereignis, Thema oder welche Persönlichkeit war Eure erste Assoziation mit dem 19. Jahrhundert? Ich bin gespannt auf eure Kommentare, und freue mich auf das nächste Mal!

Matt

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Multisession bei Anno 1800

Butter bei die Fische! Wie angekündigt, versorgen wir die ANNO UNION nach und nach mit Einblicken in die Spielkonzepte von Anno 1800. Den Anfang macht Creative Director Dirk Riegert, der die Serie seit Anno 1701 betreut. Dirk erläutert für euch ausführlich einen sehr wichtigen Baustein des kommenden Annospiels, das sogenannte „Multisession Gameplay“.

Mit großem Interesse verfolgt unser gesamtes Team eure Anregungen in den Kommentarspalten der ANNO UNION. Da bin auch ich keine Ausnahme. Beim abendlichen Stöbern ist mir immer wieder ein Thema aufgefallen, mit dem einige von euch besonders viele Chancen und Risiken verbinden: das sogenannte „Multisession Gameplay“. Da wir gerne mit einem großen Thema die erste weiterführende Diskussion in der UNION starten wollten, lag es nahe hiermit zu beginnen.

Rückblick auf Anno 2205
Damit ihr euch ein möglichst vollständiges Bild von diesem Feature machen könnt, möchte ich etwas weiter ausholen. Das Multisession Gameplay ist für die Annoserie ein relativ neues Spielelement. Es kam erstmalig bei Anno 2205 zum Einsatz. Spieler hatten hier die Möglichkeit, mehrere Inselwelten (sog. Sessions) miteinander zu verknüpfen und Waren zwischen den einzelnen Welten zu transferieren. Unser Ziel war es, die Schaffung größerer persistenter Spielwelten und die Verknüpfung unterschiedlicher Karten (bei Anno 2205 z.B. Erde und Mond) zu ermöglichen. Grundsätzlich hat uns dieses Spielelement sehr gut gefallen, da es zahlreiche Optionen eröffnete, von denen wir einige bislang noch nicht genutzt haben. Auch die Spieler waren überwiegend sehr angetan vom Multisession Gameplay und wählten es neben den Produktionsmodulen und dem Gebäudeverschieben zu den beliebtesten 2205 Features.

Wie können wir noch weiter gehen?

Dennoch zeigte uns die Analyse von Anno 2205, dass es noch reichlich Möglichkeiten für uns gab beim Multisession Gameplay noch weiter zu gehen. Die Erweiterung des Spiels auf mehrere parallele Karten hatte gravierende Implikationen zur Folge. Wir identifizierten vier Hauptbereiche, in denen das Multisession Gameplay noch nicht voll den Erwartungen entsprach:

1. Spielerische Freiheit
2. Größe der Spielwelt
3. Fokus auf die Heimatwelt
4. Integrität der Spielwelt

Um die gute Nachricht vorweg zu nehmen: alle vier Bereiche haben wir für Anno 1800 entscheidend verbessert. Im Folgenden möchte ich euch diese Punkte detailiert erläutern.

Eine Frage der Freiheit

Die spielerische Flexibilität, innerhalb der gegebenen Systeme zu tun und zu lassen, was man will, ist seit Anno 1602 fundamentaler Bestandteil der Annophilosophie. Das Multisession Gameplay in Anno 2205 zeigte hier noch gewisse Schwächen. Der Spieler wurde verhältnismäßig schnell dazu angehalten, weitere Sessions zu bespielen, um voranzukommen. Zwar konnte man sich auch beliebig lange in seiner ersten Spielsession aufhalten, ohne zu wechseln, der Spielfortschritt blieb dann aber limitiert. Einige Spieler fühlten sich dadurch in ihrer Art Anno zu spielen eingeschränkt, da sie oft deutlich später, manchmal auch gar nicht die Session wechseln wollten.

Eine Session? Mehrere Sessions? Deine Entscheidung!
Das Multisession Gameplay fällt in Anno 1800 im Vergleich dazu deutlich flexibler aus. Es steht den Spielern ab einem gewissen Punkt frei, wann sie eine weitere Session in Angriff nehmen möchten. Wir wissen, dass es Spieler gibt, denen die Erkundung neuer Landstriche ein wichtiges Anliegen ist. Diese Spieler können sich relativ früh auf Entdeckungstour  begeben und nicht nur neue Inseln, sondern auch eine neue Session aufstöbern. Es gibt aber auch viele Spieler, die sich eher als „Nestbauer“ betätigen und nur vorsichtig die Fühler nach dem Unbekannten ausstrecken. Diese Spieler erkunden auch die Inselwelt nur sehr zögerlich. Eine zweite Session zu erschließen wäre für sie eine Aufgabe, die sie erst im späteren Spielverlauf angehen würden, wenn sie sich sicher genug fühlen. Diese Flexibilität bieten wir mit Anno 1800. Sogar noch mehr, denn es gibt auch Spieler, die sich grundsätzlich nur in einer Inselwelt aufhalten möchten. Selbst das ist in Anno 1800 möglich. Der Aufbruch in eine zweite Session ist rein optional. Wir rechnen zwar damit, dass sich die Meisten aufgrund des spielerischen Mehrwerts früher oder später auf diese Reise begeben werden, aber auch das permanente Verharren in der Startsession ist möglich, wenn man sich etwas stärker auf Handel fokussiert. Für den klassischen Multiplayer Modus von Anno 1800 beschränken wir uns aus praktischen Gründen im übrigen auch auf eine (große) Hauptsession für 2-4 Spieler.

Auf die Größe kommt es an
Um die Vision des Multisession Gameplays in Anno 1800 besser zu verstehen, müssen wir uns auch ein wenig mit nackten Zahlen beschäftigen. Denn was nutzt schon die Möglichkeit, ewig in einer Inselwelt verharren zu können, wenn sie nicht das gewünschte Spielerlebnis bietet?

In Anno 2205 waren die einzelnen Inseln zwar deutlich größer, als die der vorangehenden Anno Teile, aber die Spielwelten selbst waren im Gegenzug spürbar kleiner. Was das Ganze konkret bedeutete, könnt ihr der folgenden Grafik entnehmen. Sie gibt die Größe der Spielwelten in den Anno Teilen 2070 (auch vergleichbar mit Anno 1404), Anno 2205 und Anno 1800 maßstabsgetreu wieder.

Wie ihr erkennen könnt, sind die Spielwelten in Anno 2205 mit 800×800 Grids (damit sind als Maßeinheit die Baufelder im Spiel gemeint) am kleinsten ausgefallen. Die Spielwelten von Anno 2070 (und damit Anno 1404) waren im Vergleich mit 1200 Grids im Quadrat deutlich größer. Die Spielwelten von Anno 1800 fallen mit maximal 1600×1600 noch gewaltiger aus. Wer jetzt hofft (oder auch fürchtet), dass damit auch die Spielwelt im Vergleich zu den alten Annoteilen proportional angewachsen ist, der sollte sich die folgende Grafik genauer ansehen. Sie zeigt in etwa die Verteilung der bebaubaren Spielerinseln in der Spielwelt. Wo bei Anno 2070 ca. 25 Spielerinseln Platz fanden, gab es bei Anno 2205 im Durchschnitt fünf Inseln (ein Umstand, den wir später mit den Free Patches und DLCs noch ausbesserten).

Bei Anno 1800 ist die Inselanzahl vergleichbar mit 2070 und 1404, so dass sie bis zu vier Spielern (Menschen oder AI) Platz bietet, um auf die höchste Zivilisationsstufe aufzusteigen. Da insbesondere die Hauptinseln aber größer sind als bei den alten Annoteilen, um imposanteren Bergen, mehr Gebäuden und größeren Monumenten Platz zu bieten, fällt die maximale Weltgröße im Vergleich höher aus. Es ist also genug Platz innerhalb einer Inselwelt, um das für ein vollständiges Anno Spielerlebnis nötige Inventar anzuordnen. Weshalb, könnte man sich fragen,  dann noch die Möglichkeit mehrere Sessions zu parallel zu bespielen?

Der sichere Hafen
Wie schon der Mond bei Anno 2205 das Multisession Gameplay befeuert hat, profitiert auch das neue Setting im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution und des Imperialismus von der Möglichkeit zusätzliche Welten zu erschließen. Die erste Session stellen wir uns dabei quasi als Heimatwelt des Spielers vor. Hier hat er mit großer Wahrscheinlichkeit seine Hauptstadt angelegt und lernt seine wichtigsten Freunde und Gegenspieler kennen. Nachdem dort Fuß gefasst hat, steht es ihm aber frei, seinen Einflußbereich zu erweitern und neue Gebiete zu erschließen. Mit dem Multisession Gameplay sind wir bei Inszenierung und Erweiterung der Spielwelt aber nicht ausschließlich auf die Startkarte festgelegt. Welches Imperium passt schon in eine einzelne Inselwelt? Wir wollen auf der anderen Seite aber auch nicht, dass der Spieler zu viele Sessions parallel verwaltet und dadurch wie bei Anno 2205 verhältnismäßig häufig die Session wechselt. Wir werden daher bei der Einführung optionaler Sessions sehr behutsam vorgehen. Aktuell ist geplant zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Anno 1800 mindestens eine zweite große Inselwelt der eigenen Heimatwelt hinzufügen zu können.  Hier zählt der Grundsatz „Weniger ist mehr!“. Dies gilt insbesondere, da die einzelnen Welten, wie bereits erläutert, deutlich umfangreicher und spieltechnisch gehaltvoller ausfallen als beim Vorgänger.


Unsere Zurückhaltung bei der initialen Anzahl parallel simulierter Sessions ist zwar vorrangig spielerisch motiviert, hat aber den positiven Nebeneffekt, dass die Ladezeiten bei wiederholten Sessionwechseln im Vergleich zu Anno 2205 spürbar minimiert werden, da die Sessions, nachdem sie initial geladen wurden, parallel simuliert werden.

Die Integrität der Spielwelt
Der letzte Hauptpunkt, bei dem wir Verbesserungspotential sehen, betrifft die Integrität des Multisession Gameplay. Sie war in Anno 2205 teilweise eingeschränkt. Das Wechselspiel der typischen Annoelemente wurde im Multisession Gameplay teilweise nicht konsequent genug umgesetzt; ein Umstand, den wir mit Anno 1800 beheben. So war etwa die Immersion des Warentransfers eher schwach, da Waren nicht wirklich von A nach B transferiert wurden, sondern abstrakt als Bilanzen gehandhabt wurden. In Anno 1800 sind die Waren passend zum Setting wieder physikalisch in der Spielwelt vorhanden und müssen transportiert werden. Auf den Inseln mit Karren und Wagen auf den Straßen, zwischen Inseln mit Schiffen. Der Schifffahrt im Wandel der Industrialisierung kommt dabei eine besonders große Rolle zu. Zeit ist beim Transport wieder eine wichtiger Faktor. Und das nicht nur beim Verschieben von Waren von Insel zu Insel innerhalb einer Inselwelt, sondern auch beim Transfer von Handelsgütern zwischen verschiedenen Inselwelten. Auch die Auslagerung des Militärs in spezielle „Event Sessions“ gehört der Vergangenheit an. In Anno 1800 ist das Militär wieder Teil des normalen Spiels in den normalen Inselwelten. Wie genau das Militär in Anno 1800 funktioniert und wie es sich zum Multisession Gameplay verhält, werden wir euch zu einem späteren Zeitpunkt erläutern, an dem wir im Detail über das Militär berichten können.

Was denkt ihr?
So, ich habe mir die Finger in den letzten zweieinhalb Stunden ganz schön wundgetippt in der Hoffnung, eure Fragen an das Multisession Gameplay von Anno 1800 so erschöpfend und verbindlich wie möglich zu beantworten. Jetzt seid erstmal ihr an der Reihe. Gebt uns Feedback! Seht ihr bereits ein wenig klarer, wohin die Reise mit Anno 1800 gehen wird? Was findet ihr am Multisession Konzept besonders spannend und was seht ihr vielleicht kritisch? Würdet ihr euch als Spieler lieber freiwillig auf eine Inselkarte begrenzen oder versuchen, die gesamte Spielwelt zu erkunden? Was würdet ihr gerne im weiteren Verlauf des Spiels auf anderen Karten erleben können? Teilt in den Kommentaren eure Eindrücke und Gedanken mit uns!

Macht’s gut und bis zum nächsten Mal
Euer Karrenschieber Dirk

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DevBlog: Building Blocks und Milestones

Hast Du Dich schon immer gefragt wie Spielentwicklung eigentlich strukturiert ist und wie unser Team an Features arbeitet?

Damit Du bei der Gestaltung der Zukunft von Anno 1800 helfen kannst, wollen wir Dir einen besonderen Blick auf die Arbeit unseres Teams hier in Mainz geben, um Dich auf kommende Feedbackrunden und Playtests vorzubereiten.

Konzeptphase
Mit unserer Vision (die wir im letzten DevBlog erläutert haben) hatten wir eine Idee für die Prämisse aber die Konzeptphase sollte uns dabei helfen, die Features die das finale Spiel benötigt zu definieren und sicherzustellen das wir unsere Ziele erreichen können. Dieser Prozess kann einiges an Zeit in Anspruch nehmen und verlangt ein Kernteam von Experten, die ihre Zeit Nachforschungen und der Gestaltung des Konzepts widmen. Dies beinhaltet kreative Aspekte, Game Design Elemente und diverse Produktionsschritte, damit wir sicherstellen können das unsere Vision erreichbar und umsetzbar bleibt. Jeder Spielentwickler würde am liebsten das größte Spiel aller Zeiten entwickeln, aber wir müssen in der Entwicklung mit festen Rahmenbedingungen wie Entwicklungszeit, verfügbare Arbeitskraft und auch Budget arbeiten, die alle eng miteinander verknüpft sind.

Mit unserem finalen Konzept für das Spiel konnten wir uns an die Arbeit machen den ersten spielbaren Prototypen für das Spiel zu erstellen. Dieser Prototyp, häufig auch „Vertical Slice“ genannt, hilft uns dabei zu testen, ob unser Konzept funktioniert und ob wir somit auf dem richtigen Weg sind. Mit einem komplexem Projekt wie Anno, dass ein großes Team von Experten für viele Jahre involviert, ist es wichtig zu diesem Zeitpunkt zu entscheiden ob wir mit der momentanen Vision mit der Entwicklung beginnen können, oder ob wir zurück ans Reißbrett müssen.

Pre-Alpha
Während wir unseren neuen Titel auf der gamescom angekündigt hatten, hat das Team bereits vor einigen Monaten mit der Kernentwicklung angefangen, und zwar mit der sogenannten „Pre-Production“ Phase. Während dieser Zeit nahmen wir alle Features und Konzepte aus unser Vision um diese in das Fundament für das zukünftige Spiels einzufügen.

Aber in welchem Stand ist Anno 1800 jetzt? Um etwas genauer zu sein, wir sind momentan in der sogenannten Pre-Alpha Phase, wenn alle Bausteine aus der Pre-Production zusammenkommen. Während dieser Zeit ist das Spiel bereits spielbar, allerdings in einer sehr frühen Form während viele der Features noch sehr roh sind oder sogar nur Platzhalter darstellen. Mit der Pre-Alpha ist es unser Ziel, das Spiel für die kommende Alpha vorzubereiten um dann den Weg weiter zur Beta anzustreben.

Hier ist ein kurzes Beispiel aus einem Milestone-Meeting: eines unserer neuen Schiffe im Spiel

Spieleentwicklung ist in verschiedene Disziplinen aufgeteilt – vom Konzept und 3D Artist, Game Designer, unterschiedliche Programmierer (Gameplay, Engine, Network etc.), Writern und Content Creation sowie QA und vieles mehr. Es würde ein wenig zu sehr ins Detail gehen diese alle heute vorzustellen, deswegen werden wir uns den einzelnen Disziplinen in zukünftigen DevBlogs genauer widmen.

Und während wir gerade über die unterschiedlichen Disziplinen reden, es ist die Verantwortung des Produktionsteams eine Übersicht über alle Prozesse zu behalten und sicherzustellen, dass die Arbeit aller Disziplinen am Ende zusammenkommt. Da die verschiedenen Disziplinen auf die Arbeit der Anderen angewiesen sind, definiert das Produktionsteam eine Roadmap damit alles zur richtigen Zeit fertig und miteinander verbunden wird.

Um eine Entwicklungs-Roadmap für Anno 1800 zu erstellen, müssen sie vorher die Elemente nach Wichtigkeit definieren, um dann Arbeit in den einzelnen Teams gerecht aufzuteilen.  Unsere Roadmap hat festgesetzte Milestones, zwei Monate andauernde Entwicklungszyklen um zu überprüfen ob wir mit der Entwicklung auf Kurs sind. Stellt es euch einfach wie das verwalten einer sehr komplexen Produktionskette in einem Anno Spiel vor.
Und falls ihr euch über das Beitragsfoto aus dem Blog gewundert habt: Am Ende jedes Milestones kommt unser ganzes Team für ein zwei Stunden andauerndes Meeting zusammen, um zusammen durch alle Erfolge und erfüllten Aufgaben der letzten zwei Monate zu gehen.

Um euch eine Idee über unsere letzten Fortschritte zu geben: wir waren unter anderem mit dem Erstellen neuer Schiffs-Assets und der künstlichen Intelligenz für die Schiffe, dem grundlegenden Gameplay für unser Monument, einer ersten Implementierung für die Verwaltung mehrerer Save Games sowie dem Aufbau-Verhalten der KI beschäftigt. In zukünftigen DevBlogs werden wir genauer auf den Fortschritt den wir bei einzelnen Elementen gemacht haben eingehen.

In diesem Clip sehen wir das selbe Schiff mit einer Technologie namens „cloth subsurface scattering“, dank der die Sonne durch die Segel scheint und sie deutlich realistischer wirken lässt

Playtesting und das Sammeln von Feedback

Sobald wir den Alpha-Milestone erreichen wird Feedback zu einem kritischen Teil des Entwicklungsprozesses- und dabei wird die Anno Union natürlich eine zentrale Rolle einnehmen. Unser Ziel für die Alpha-Phase ist es zu sehen ob der vorhandene Content funktioniert, wo wir Dinge ändern oder ausbessern müssen, ob Elemente schlichtweg fehlen und – am wichtigsten – ob es Spaß macht zu spielen. Gerade bei den Themen Spielkomplexität und Spielerfahrung werden wir viel auf das Feedback aus der Union zurückgreifen.

Dazu werden wir während der Alpha nicht nur regelmäßige interne Playtests hier im Team durchführen, sondern auch Fokusgruppentests und sogenannte Tagebuch-Studien mit Gruppen von externen Spielern durchführen. Danach evaluieren wir das erhaltene Feedback und checken inwieweit es möglich ist das Feedback und Ideen zu implementieren. Selbst vermeintlich kleinere Änderungen an existierenden Inhalten können hierbei gravierende Folgen haben. Deshalb sind solche Machbarkeits-Checks wichtig um sicherzustellen, dass wir nicht von unseren Design-Prinzipien und unserer Vision für das Spiel abweichen. Nachdem die Änderungen in das Spiel eingeflossen sind folgen dann natürlich wiederum weitere Tests um zu sehen ob die neuen oder geänderten Elemente funktionieren. Dieser Prozess setzt sich bis zur Veröffentlichung des Spiels fort, wobei sich während der Beta-Phase der Fokus hin zum Ausmerzen von Fehlern und Anpassungen der Spielbalance verschiebt

Welchen Einfluss Dein Feedback haben kann

Innovative neue Features oder große Änderungen an schon bestehenden Inhalten werden oft im Team heiß diskutiert, und gerade dann wird das Feedback aus der Anno Union besonders wertvoll. Mit zukünftigen DevBlogs werden wir Dir Details zu solchen Fällen geben und erläutern wie Du uns dabei helfen kannst Entscheidungen zu treffen.

Hier sind die drei Beispiele wie wir Dein Feedback sammeln

Deine Stimme zählt

Ein sehr direkter Weg Deine Stimme geltend zu machen ist das Abstimmen für eine der Auswahlmöglichkeiten in unseren Umfragen. Damit sammeln wir sehr genaues Feedback zu einem bestimmten Element, bei dem die Community einen direkten Einfluss auf den Entscheidungsprozess hat.

Die Kreativität der Community

Aber auch kreativere Wege sind gefragt, zum Beispiel, wenn wir Dir ein bestimmtes Feature im Spiel erklären. Hier ist Dein Feedback wichtig für uns um zu sehen ob wir auf dem richtigen Weg sind oder noch einmal nachsteuern müssen. Dabei kann es durchaus vorkommen dass die Community auf Ideen stößt die wir im Team so gar nicht hatten.

Antworten auf bestimmte Fragen

Die letzte Option ist das Fragen nach Deinen Vorschlägen oder Wünschen unsererseits. Dabei werden wir ein bestimmtes Szenario oder Regeln umreißen zu dem wir ganz konkret Deine Meinung möchten. Dabei ist es natürlich weiterhin wichtig, dass die Ideen zu unserer Designphilosophie passen, aber die abgefragten Themen sind stark fokussiert auf Fragen die uns im Team aktuell beschäftigen.

Wie geht es weiter?

Nachdem wir Dein Feedback auf eine der genannten Arten gesammelt haben setzt sich unser Produktionsteam zusammen um die Machbarkeit des gehörten zu evaluieren. Obwohl – und oft auch genau weil – wir mit einem großen Team arbeiten muss jede Entscheidung und die möglichen Konsequenzen auf die weitere Entwicklung ganz genau abgewägt werden. Wir werden Dir in Zukunft mehr Informationen und Beispiele für solche Entscheidungsprozesse geben, wenn wir nach und nach mehr über den aktuellen Entwicklungsstatus des Spiels erklären.

Und was macht der Community Developer?

Die Aufgabe des Community Developers ist es sicherzustellen, dass Dein Feedback bei diesen Entscheidungsprozessen im Team gehört und berücksichtigt werden kann. Dazu wird er beispielsweise an Meetings des Produktionsteams teilnehmen, in unseren Milestone-Meetings Vorschläge aus der Community einbringen und regelmäßige Berichte zur Anno Union für das Team erstellen. Da Kommunikation hier – wie allgemein in der Spielentwicklung – der Schlüssel zum Erfolg ist haben wir ihn im selben Raum wie unsere Producer und das inoffizielle Maskottchen des Produktionsteams, Norbert, untergebracht. Da unser ComDev aber im Gegensatz zu unserem altgedienten Veteranen Norbert noch relativ neu im Team ist muss er sich mit einem Platz mit weniger Sonnenlicht begnügen…

Unsere Producer bei der Arbeit- für die nötige Sauerstoffversorgung sorgt die Büropflanze Norbert

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